Klebung beliebiger Gehäuseteile

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Gehäusebruchschäden nachhaltig instandsetzen

Worum es geht

Hier geht es um eine simple Technik, Brüche in den Schalen oder anderen Gehäuseteilen mit einfachsten Mitteln zu beheben.

Fast *jedereiner* (TM) ist schon einmal mit seinem TP "angeeckt" - oder hat wie auch immer einen Gehäuseschaden erlebt. Die "üblichen" Methoden mit Sekundenkleber oder 2K-Geschmiere sind ein Behelf.

Entweder sie sind in ihrer Haltbarkeit nicht von langer Dauer oder wirken nicht spaltfüllend. Zudem sehen sie häufig einfach nur übelst aus. Die Verwendung von Klebestreifen oder ähnlichem steht somit erst recht nicht zur Diskussion.

Klaro, ein neuwertiges Ersatzteil ist die Königslösung. Aber gerade bei Sammlerstücken oder schwer beschaffbaren Komponenten ein echtes Problem.

Hintergrund

Vor etwa 20 Jahren bekam ich von einem IT-Konzern eine Reihe von Rechnern als abgeschriebene Versicherungsfälle zur Weitergabe an Naturschutzprojekte gestiftet. Damals hatte ein gebrauchtes, aber intaktes T60 noch einen Wert von deutlich über EUR 800,- aber es waren auch Flexi-Modelle in Vollausstattung dabei, die bald das doppelte gekostet hätten. Für Naturschutzverbände unbezahlbar - also war "Basteln" angesagt. Aus zwei oder drei mach eins.

Da waren deutlich mehr kapitale Gehäuseschäden als funktionsbereite Boards und Komponenten dabei, also mussten Gehäuseschalen mit möglichst einfachen Mitteln dauerhaft "geflickt" werden. Gebraucht als Ersatzteil war damals so gut wie nichts zu bekommen - und als originales Neuteil nur zu astronomischen Preisen. Häufig fehlte nur eine der Gehäuseecken, dafür war das Display oder Board ein Totalschaden. Oder das Lüftungsgitter war komplett zertrümmert und der SpaceFrame gebrochen, dafür funktionierte der Rest.

Es waren insgesamt Maschinen im (damaligen) Gesamtwert von weit über 20.000 EUR die weiterverschenkt wurden. Falls Euch also irgendwo ein T60 mit - an allen möglichen und unmöglichen Stellen - eingebranntem ovalem Siegel mit der Aufschrift "Unverkäufiches Handmuster" über den Weg laufen sollte, wisst Ihr jetzt, wo er her stammt.

Weil das alles schon eine Weile her ist - und ich damals nicht ans Fotografieren gedacht habe - gibt es keine brauchbare Doku aus dieser Zeit. Aus diesem Grunde sind die Bilder aktuell von instandgesetzten Modellen der Baureihe T60 die ich damals für eigene Zwecke behalten durfte - und immernoch bei mir als Daily laufen.

Ich habe die Zeit eine Weile lang rumexperimentiert, war mit den zu der Zeit üblichen Flick-Methoden nie sonderlich glücklich, deshalb für Euch im Nachgang meine eigene Vorgehensweise.

Wie es geht

Hier die Lösung - Mein "Geheimrezept" - dutzendemale bewährt und einfach.

Ihr benötigt:

  • Einen Basisklebstoff
  • Pigment
  • Einen Behälter zum Anrühren
  • Eine kleine Spachtel
  • Eine Injektionsspritze
  • Einen alten Borstenpinsel
  • Einen Satz Schlüsselfeilen
  • Feines Schleifpapier
  • Etwas Geduld

Das meiste hat eh jeder daheim - die Bastler und Heimwerker sind logischerweise im Vorteil. Der Rechner oder besser das (ausgebaute) Gehäuseteil benötigen nach der Behandlung eine Trockenzeit. Plant also die Aktion zeitlich.

Der Basisklebstoff ist - nicht lachen - handelsüblicher Ansetzkleber auf Wasserbasis aus der Kartusche. Somit kein Lösungsmittelgestinke in der Bude.

VORSICHT - Es gibt diesen Kleber auch in einer lösungsmittelhaltigen Variante. Diese hat sich bei mir für unseren Zweck NICHT bewährt. Die richtige Variante erkennt Ihr an der Aufschrift "Kleberreste mittels feuchtem Tuch entfernen." - Falls da was von "Lösungsmittel" oder "Waschbenzin" steht, habt ihr die Falsche Kartusche in der Hand.

Schwarzes wasserlösliches Pigment bekommt Ihr im Baumarkt. Meist leider nur flüssig, in 50ml-Fläschchen zum Abtönen von wasserlöslichen Lacken. Viel besser ist wasserlösliches Pulverpigment aus dem Bastelmarkt.

Am besten aber sündhaft teuer ist die zähe aber ebenfalls wasserlösliche Pampe, die als "Kunststoffärber" vermarktet wird. Wir wissen natürlich alle aus dem Chemieunterricht, daß sich Kunststoffe im Nachgang nicht wirklich "färben" lassen. Und schon gar nicht mit "Färbemitteln" auf Wasserbasis. Aber für unsere Zwecke reicht es, denn es geht lediglich um das hoch dosierte Pigment, welches unsere anzurührende Paste tiefschwarz durchfärben soll.

Das Rezept

Ihr gebt eine etwa walnußgroße Menge des wasserlöslichen Ansetzklebers in den Mischbehälter. Rührt soviel Pigment unter, bis der weiße Klebstoff tiefschwarz geworden ist. Je nach Pigment schimmert er im nassen Zustand ein wenig bläulich. Das gibt sich mit dem späteren Aushärten. Falls Ihr Flüssigpigment verwendten, solltet Ihr entweder die Mischung eine Weile stehen lassen, bis hinreichend Wasser verdunstet ist und die Pampe wieder zähflüssig geworden ist oder das Flüssigpigment in kleiner Dosis soweit auftrocknen lassen, daß es die Mischung nicht zu stark verwässert.

Dann anrühren. Zwischendrin immer mal wieder bewegen, damit keine harten Ränder entstehen. Das Ergebnis sollte eine Konsistenz wie angerührter Gips haben.

Die Mischung klebt wie Pest, ist spaltfüllend und kann zudem in mehreren, nacheinander aufgebracht Schichten als eine Art Vergußmasse verwendet werden. Also bitte niemals zu dünnflüssig anrühren. Eher als eine Art spachtelbare Paste. Der Nachteil ist die relativ lange Trocknungszeit. Jemand mit etwas ungeschickten Fingern kann zudem eine ziemliche Sauerei anrichten. Zudem schwindet der Kleber etwas, wodurch mehrere Arbeitsgänge erforderlich sein können, um eine größere Schadstelle aufzufüllen.

Wer mag und kann, sollte sich also nicht scheuen, bei erheblichen Fehlstellen passende "Implantate" aus Schlachtrechnern zu verwenden.

Vorbereitung

Die zähe Klebermasse jetzt in die offene Injektionsspritze befördern. Diese sollte handlich, aber nicht zu klein sein. 10-20 ml sollten reichen.

Schneidet Euch aus Plastikresten Spachteln, die deutlich schmäler sind als der Innendurchmesser der Spritze. Dadurch könnt Ihr die Mischung möglichst tief in die Spritze füllen und vermeidet das Versauen des oberen Randes.

Spritze gefühlvoll schließen, mit der Spitze nach oben und - wichtig - entlüften. Gefühlvoll, damit die Plörre nicht oben rausspritzt. Dagegenklopfen hilft.

Verfahren

Vorsicht, die Pampe klebt wirklich wie Pest, ist aber ausgehärtet seidenmatt schwarz wie das TP-Gehäuse und spaltfüllend. Größere Schadstellen können durch "Mauern" mit zwischenzeitlichem Antrocknen gefüllt werden.

Finger und Klamotten können zwar notfalls mit reichlich Wasser gereinigt werden, zumindest solange der Kleber noch nicht angezogen hat, aber ihr solltet dennoch sehr sauber und präzise arbeiten.

Mault aber bitte nicht, wenn Ihr Euch die Klamotten versaut habt. Pigment ist halt Pigment und Kleber klebt eben.

Ich habe auf diese Weise schon sehr oft von außen komplette Gehäuse-Ecken ohne jegliche Demontagearbeit rekonstruiert. Achtet bitte nur darauf, daß Ihr die "Innereien" der Rechners nicht mit verklebt.

Auch größere Schäden lassen sich beheben. Ebenfalls Risse. Ein gebrochener Brezel kann zusätzlich nach der Demontage von innen verstärkt werden. Ich verwende als Verstärkung handelsübliche Fliegengaze als "Moniereisen". Einfach in den auf der Innenseite (!) des Gehäuseteiles mit der Schadstelle flächig aufgebrachten Klebstoff eindrücken und mit dem Pinsel antupfen.

Trocknungsdauer pro Millimeter Kleberdicke etwa ein Tag. Die Endhärte ist spätestens nach weiteren zwei Tagen erreicht. Dann lässt sich dir Reparaturstelle mittels Schlüsselfeile oder Schmirgel beiarbeiten. Falls der Kleber beim Trocknen zu stark schwindet, eine weitere Schicht auftragen, bis die Höhe der künftigen Oberfläche erreicht ist. Aushärten lassen!! Nachfolgend bündig feilen oder schmirgeln, dann auf der formstimmigen und egalisierten Fläche die TP-typische Oberfläche restaurieren. Ein wenig des Klebers mit dem Borstenpinsel hauchdünn auftupfen, bis die gewünschte Struktur erreicht ist. Habt etwas Geduld, es sind meistens mehrere Arbeitsgänge mit Zwischentrocknung erforderlich.

Ich stelle bei Gelegenheit noch ein paar Bilder von behobenen Gehäuseschäden ein, die man wirklich nicht mehr sieht:

  • Komplettes Lüfterumfeld, Gitterbereich aus einem Schlachtrechner entnommen und eingepasst
  • Vordere Ecken der Gehäuseschale
  • Abgebrochene Gewindebuchse im hinteren Bereich des Keyboardrahmens
  • Massiver Riß seitlich des Touchpads durch beim Zuklappen versehentlich liegen gebliebenen Autoschlüssel

Bilder von erfolgreicher Reparatur

Bilder kommen noch. Habt Geduld.

Weiterverwendung des Klebers

Der restliche Kleber in der Spritze ist, falls erwünscht, erstaunlich lange haltbar - und zwar wie folgt: Füllt ein hohes Marmeladen- oder Apfelmusglas mit demineralisiertem Wasser. Die Spritze muß mit ihrem Unterteil so weit untergetaucht werden können, bis der Wasserstand oben den Übergang zum Spritzenstiel vollständig verschließt. Es fließt von oben Wasser im Bereich des kreuzförmigen Stieles in die Spritze. Macht nichts, soll so sein. Der aufgeschraubte Glasdeckel hält dann die Spritze dauerhaft unter Wasser.

Jetzt folgt noch die "Geheimwaffe" gegen den Gammel bei langer Lagerung. Gebt ein wenig flüssigen Oxi-Reiniger (Oxi-Fix Fleckenentferner, Sauerstoffreiniger) dazu. Dieser verhindert, daß sich Schimmel im Wasser bildet. Dem Kleber schadet dies nicht, der befindet sich ja geschützt in der Spritze. Nehmt bitte aber nicht das Oxi-Granulat! Das löst sich nicht hinreichend und hinterlässt nur einen sinnbefreiten Bodensatz.